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Sternenkinder & Fehlgeburten | warum wir erst frei sind, wenn wir loslassen

Eine mutmachende Geschichte über das Eltern-werden und darüber seine Kinder wieder gehen zu lassen.

Dies ist ein Teil meiner persönlichen Geschichte. Diese Zeilen habe ich 2019 geschrieben. Heute möchte ich sie mit Dir teilen, weil ich glaube, dass es Zeit ist. Es ist Zeit über dieses Thema zu schreiben, weil es immer noch ein Tabu Thema in unserer Gesellschaft ist. Es ist Zeit, weil viele Mütter und Väter im Inneren stark leiden und trauern, und sich dabei so alleingelassen fühlen. Es ist Zeit, weil es wichtig ist zu trauern, sich von seinen Sternenkindern richtig zu verabschieden und sie dann auch gehen zu lassen…

Diese Geschichte ist lang, wenn Du sie lesen möchtest, dann nehme Dir Zeit dafür.

Mein Name ist Lisa, bin 1992 geboren und zweifache Mutter, mit einer gewissen Veranlagung, die etwa ein Drittel aller Menschen vorweist, viele allerdings nichts davon wissen: Ich bin hochsensibel. Was genau das ist und wie es sich bei mir gezeigt hast, wirst Du später erfahren. Durch das Mutterwerden habe ich viele einschneidende Erfahrungen gemacht und Augen-öffnende Momente erlebt.

Doch fangen wir von vorne an.

Aufgewachsen bin ich am Rande des Schwarzwalds in Süddeutschland. Dort habe ich meine Kindheit verbracht und dort lebe ich heute wieder mit meinem Mann und unseren zwei Kindern.

Schon immer hatte ich das Bedürfnis anderen Menschen zu helfen. Das spiegelte sich von Kindheit an in meinen Berufswünschen: Im Kindergarten wollte ich Putzfrau werden, weil es mir Spaß machte meiner Mutter im Haushalt zu helfen. In der Grundschule war es mein Traum Lehrerin zu werden, weil ich kleine Kinder und meine Grundschullehrerin toll fand. Im Gymnasium kam mein Sinn für Gerechtigkeit durch, als ich Anwältin werden wollte, um andere in ihrem Recht zu unterstützen. Meine soziale Ader verstärkte sich, als ich mit einer Freundin Geld für ein Hilfsprojekt in Afrika sammelte. Ich malte mir aus, wie ich später den Hunger in der Dritten Welt bekämpften würde.

Keinem dieser Berufswünsche bin ich nachgegangen, außer dem großen Ziel anderen zu helfen: 2011 begann mein Psychologie Studium an der Universität Konstanz.

 

Psychologie Studium - ein neuer Lebensabschnitt mit vielen Herausforderungen

Das erste Semester war unheimlich aufregend: Die Vorlesungen, ständig neue Menschen kennenlernen, die Nächte durchfeiern und dann morgens trotzdem in den Veranstaltungen zu sitzen und sich sehr erwachsen zu fühlen. Ich genoss diesen neuen und auch ein bisschen wilden Lebensabschnitt in vollen Zügen.

Nach nicht einmal einem Jahr war alles plötzlich anders. Ich war an einem Punkt angelangt, an dem ich mir ernsthaft überlegte das Studium hinzuschmeißen. Der Grund dafür waren nicht nur trockene, theorielastige Vorlesungen, sondern auch, dass ich auf einmal bemerkte, dass ich mit diesem Leben nicht mehr mithalten konnte.

Ständig neue Menschen kennenlernen, ständig auf viel zu lauten Partys unterwegs, Alkohol in jeder geselligen Runde und andauernd zu wenig Schlaf.

Obwohl ich einen solchen Spaß daran gefunden hatte, war es zu viel und zu anstrengend für mich. Ich war erschöpft. Ich konnte so nicht weiter machen.

Es benötigte viele Gespräche mit meiner Familie und meinem damaligen Freund, bis ich meinen Stolz überwand und mir endlich Hilfe in der Psychologischen Beratungsstelle der Uni holte. Es war mir furchtbar unangenehm, dass ich als werdende Psychologin Hilfe in Anspruch nehmen musste. Selbstverständlich erzählte ich kaum jemandem davon, aus Angst, dass die anderen mich als schwach abstempeln würden. Ich wollte ja nicht dem Klischee entsprechen, dass alle Psychologiestudierenden selbst verrückt sind, wie so oft gescherzt wird.

Hilfe, die mir gut tat.

Die Psychologin in der Beratungsstelle war sehr nett und es tat gut mit jemandem zu reden, der mich verstand und meine Sorgen ernst nahm. Leider stand ich mir in der Beratung selbst im Weg und sprach nur über meine Schwierigkeiten bezüglich des Studierens.

Ich konnte mich ihr gegenüber nicht öffnen und so blieb es bei einer oberflächlichen Lösung des Problems. Mir genügte das zu diesem Zeitpunkt. Ich hatte die wertvolle Erkenntnis gewonnen, dass ich zu viel im Kopf unterwegs war und dass ich wieder mehr in Kontakt mit meinem Körper kommen sollte.

Sie gab mir unter anderem Atemübungen, doch ich hielt sie für unnötig und seltsam, weshalb ich sie mir nie anhörte. Trotzdem arbeitet ich an mir. Ich begann wieder mehr ZU TUN anstatt nur ZU DENKEN: Wenn ich wütend wurde, warf ich Steine in den See oder ging joggen. Und um wirklich abzuschalten und zur Ruhe zu kommen, begann ich häufiger in der Natur zu fotografieren. Es war wohltuend und heilsam, den Blick auf die Schönheit der Natur zu wenden und zu sehen, dass ich etwas Wunderbares erschaffen konnte.

Auch begann ich mehr auf meine eigenen Bedürfnisse zu achten: Ich war nicht mehr auf jeder Party dabei, trank nicht mehr so viel Alkohol und ging auch nicht mehr ständig abends aus.

Das tat mir gut, doch führte gleichzeitig dazu, dass ich von meinen Freunden immer seltener gefragt wurde, ob ich Lust hätte irgendwo dabei zu sein bis ich schließlich gemieden wurde. Mit dem Gefühl nicht mehr interessant, cool und gut genug zu sein, blieb ich zurück.

Die Gründe, weshalb ich mein Studium damals nicht abbrach, waren zum einen, die Unterstützung meines damaligen Freundes und zum anderen meinen unbändigen Willen für mein Ziel durchzuhalten. Daher wurde ich aktiv, suchte mir neue und ruhigere Freunde und fokussierte mich auf das große Ziel hinter dem Studium: Ich wollte Kinder- und Jugendlichen Psychotherapeutin werden, um Kindern zu einem guten und gesunden Grundstein im Leben zu verhelfen. Während meines Praxissemester in der Kinder- und Jugendpsychiatrie sah es auch noch so aus, als ob das mein finaler Berufswunsch wäre.

Doch es kam anders.

Unser erstes Sternenkind kam und ging

Während des Studiums lernte ich meinen heutigen Mann kennen. Nachdem wir über ein Jahr befreundet waren, wurden wir ein Paar. Vier Monate später, im Sommer 2014, wurde ich schwanger. Das war erst einmal ein Schock für uns beide! Unsere Familien hingegen nahmen es gelassen auf und so begannen wir uns auf unser Kind zu freuen.

Innerlich stellten wir uns darauf ein Eltern zu werden und machten uns auf die Suche nach einer gemeinsamen Wohnung.

Doch es geschah das Unerwartete: Ich bekam Blutungen. Es war Sonntag. Sofort fuhren wir ins Krankenhaus. Innerlich wollte ich noch nicht daran glauben, ich wollte Festhalten an unserem ersten Kind. Ich hatte Angst. Obwohl ich erst in der 13. Woche war, spürte ich schon eine Verbindung zu diesem winzigen Wesen, das sich in mir befand. Ich wollte es nicht gehen lassen. Ich wollte Mutter sein, ich wollte nicht, dass es geschah.

Eine junge Ärztin, die wahrscheinlich kinderlos war, fragte uns ob es denn überhaupt ein Wunschkind gewesen sei. Die Frage wirkte sehr unbeholfen und es traf mich sehr. Was sollte diese Frage? Glaubte sie, dass irgendjemand sagen würde, „Nein, ich bin froh, dass mein Kind gerade abgeht“? Denn auch, wenn wir unser Kind nicht geplant hatten, hatten wir es in unser Herz geschlossen.

Ich bin mir sicher, dass ab dem Moment, indem klar ist, dass ein Kind unterwegs ist, sich alle Eltern innerlich darauf einstellen und es willkommen heißen. Bewusst oder unbewusst.

Wir wurden nach Hause geschickt mit dem Hinweis morgen wieder zu kommen und uns nicht allzu viele Hoffnungen zu machen.

Natürlich hörten die Blutungen nicht auf. Mein Mann, der zur damaligen Zeit noch mein Freund war, nahm mich in den Arm und wir trauerten. Ich nach außen und er im Inneren.

Am Montag fuhren wir erneut ins Klinikum mit der schrecklichen Gewissheit, dass unsere Tochter nicht mehr bei uns war. Ich hatte schon früh das Gefühl gehabt, dass es ein Mädchen werden würde und ihr einen Namen gegeben. Umso schmerzhafter war es nicht nur ein Embryo gehen zu lassen, sondern unsere Emma.

Ich war wie gelähmt und konnte das alles nicht fassen. Ich war doch jung und gesund! Warum passierte ausgerechnet mir so etwas?

Der Tag war die reinste Tortur. Bis abends in der Frauenklinik sitzen und auf die Ausschabung warten, während im Wartezimmer lauter Schwangere und Frauen mit Säuglingen saßen. Ich war wie erstarrt.

Zwischen all dem Leid, war ich dankbar über eine Krankenschwester, die mich liebevoll tröstete. Von ihr hörte ich zum ersten Mal wie viele Frauen täglich mit einer Fehlgeburt ins Klinikum kamen. Es gehörte zum Leben dazu, aber es sprach einfach keiner darüber.

Ich konnte das fast nicht glauben.

Sie bot mir an, zu einer Trauerfeier auf dem Friedhof zu kommen, auch wenn der Fötus / Embryo nicht mehr gerettet werden konnte.

Wir gingen nicht hin. Damals kam es mir falsch vor, weil es kurz nach den ersten drei Monaten geschehen war. Weil es ja „normal“ war in dieser Zeit. Weil kein Embryo mehr da war.

Ich hatte nicht begriffen, dass wir trauern DURFTEN. Trauern um unser Sternenkind, das nur sehr kurz auf unserer Erde geblieben war.

Das zweite Sternenkind

Die Monate danach waren schrecklich. Gefühlt die ganze Welt hatte von der Schwangerschaft gewusst, denn es hatte sich schnell herumgesprochen. Dass wir allerdings unser Kind verloren hatten, das schien kaum einer mitzubekommen. Jedes Mal, wenn wir auf unser Baby angesprochen wurden, war es wie ein Stich ins Herz. Ich hatte überhaupt keine Lust irgendetwas zu erklären. Ich wollte das Ganze ungeschehen machen. Vergessen. Still und heimlich.

 

So schmerzhaft diese Zeit auch war, so heilsam war es eine Verbundenheit zwischen all den Frauen zu spüren, die mir von ihren Fehlgeburten erzählten. Auf einmal kamen lauter Frauen in meinem Umfeld auf mich zu und teilten mir ihre Geschichten ihrer Sternenkinder mit. Es tat gut zu hören, dass ich nicht die einzige war und es zum Leben dazu gehört. Vor allem tat es gut zu hoffen, dass es beim nächsten Mal funktionieren würde.

 

Etwa ein halbes Jahr später, im Frühjahr 2015, versuchten wir erneut schwanger zu werden und es klappte beim ersten Mal.

Dieses Mal waren wir vorsichtiger und erzählten nur unseren Eltern von der Schwangerschaft. Vor meiner Mutter hätte ich es auch gar nicht verheimlichen können, da sie es spürte und mir ansah.

Ich hatte zwar ein bisschen Herzklopfen und war etwas beunruhigt über die Schwangerschaft, aber ich freute mich doch sehr auf das Kind. Dieses Mal würde es klappen! Wir fanden sogar eine Wohnung in Konstanz. Ein paar Tage nachdem wir den Mietvertrag unterschrieben hatten, entdeckte ich erneut Blut. Ich war in der 10. Woche und allein in meinem WG Zimmer in Konstanz. Ich rief meine Mutter an, die sich ins Auto setzte und zu mir fuhr. Mein Mann (Freund) war zu dieser Zeit in Stuttgart, um seine Bachelor Arbeit zu schreiben.

Im Klinikum Konstanz wurde ich als „drohende Fehlgeburt“ behandelt und musste über Nacht bleiben. Mit der kleinsten Hoffnung, dass unser Kind dieses Mal gerettet werden könnte. Aber wieder war nichts zu machen. Unser Kind ging.

In einer Untersuchung fragte mich ein Frauenarzt doch tatsächlich, ob ich denn sicher bin, überhaupt schwanger gewesen zu sein. Man könne auf dem Ultraschall nichts mehr sehen.

Ich war fassungslos, empört und sauer zugleich. Kein Feingefühl, keine Anteilnahme, es war als wäre ich wegen eines Schnupfens ins Krankenhaus gekommen, nicht weil mein Kind (ab-) gegangen war.

Wieder wurde eine Ausschabung unter Vollnarkose durchgeführt. Abgehandelt, als sei es eine Knie OP.

 

Unbewusst erlaubte ich es mir nicht, um mein Sternenkind zu trauern, so wie ich es mir in dieser Schwangerschaft auch nicht erlaubt hatte mein Kind zu spüren und ihm einen Namen zu geben.

 

Es schien als würde ich mit jeder Schwangerschaft mehr den Kontakt zu meinem Körper zu verlieren. Ich verschanzte mich hinter einer Mauer, sodass niemand mein zerbrochenes Herz sehen konnte.

 

Ich lebte mein Leben weiter, als sei nichts gewesen. Denn dieses Mal hatte es fast keiner gewusst.

 

Die Geburt meiner Tochter

Mein Studium ging weiter und ich erzählte nur wenigen Freunden von der zweiten Fehlgeburt. Ich war mit meinem Bachelor fast fertig und suchte nach etwas, was mich wieder motivieren würde. Also suchte ich nach mehr Praxis und Selbsterfahrung und fand sie zum Glück auch: Ich begann neben meinem Studium eine Ausbildung zum systemischen Berater und Coach.

Diese Ausbildung war das Beste, was ich hätte machen können. Sie zeigte mir, dass ich trotz all dem Zweifel und Frust, noch auf dem richtigen Weg war. In dieser Zeit lernte ich tolle Menschen kennen, wir hatten Spaß, übten an- und miteinander und ich konnte mich selbst unglaublich weiterentwickeln.

Während des Jahres der Ausbildung beschlossen mein Freund und ich es erneut zu probieren. Ganz nüchtern dieses Mal. Ich kalkulierte den Geburtsmonat, plante noch eine letzte große Reise zu meinem besten Kumpel in Shanghai und war dann Ende September 2015 bereit. Beim ersten Versuch klappte es gleich wieder.

Was für ein Glück, könnte man meinen, doch ich erlaubte mir nicht, mich zu freuen. Ich hatte solche Angst, wieder von meinem Körper enttäuscht zu werden und wieder ein Kind gehenlassen zu müssen. Gleichzeitig versuchte ich nach außen entspannt zu wirken, indem ich mir sagte, dass wenn es so sein sollte, dann würde es sich einnisten und bleiben.

Erst lange nach der 13. Woche begann ich aufzuatmen und mich zu freuen. Es sah gut aus. Irgendwann begann ein unauffälliger Bauch zu wachsen. Klein und schön und wunderbar.

Wir entschieden uns im April 2016 im kleinen Rahmen standesamtlich zu heiraten und freuten uns auf die Geburt.

Hochschwanger besuchte ich meine letzten Seminare des Psychologie Masters und einen Monat vor Geburtstermin beendete ich meine Coaching Ausbildung.

Dann war es soweit, Ende Juli 2016 kam unsere Tochter nach einer Einleitung gesund zur Welt. Welch Erleichterung, welch Glück.

Für mich ist es heute noch ein kleines Wunder und ich bekomme Gänsehaut, wenn ich höre, dass ein Kind auf die Welt gekommen ist.

 

Überforderung und die Erkenntnis - ich bin hochsensibel

Mit diesem Happy End könnte ich meine Geschichte nun beenden. Doch das wäre nur die halbe Geschichte.

Die ersten Tage zuhause waren ungewohnt und schön zugleich. Nach einer Woche musste mein Mann wieder arbeiten, da er zu der Zeit seine Master Arbeit bei einem Betrieb schrieb. Ich weiß noch wie er zur Arbeit ging und ich zuhause mit unserer Tochter saß und weinte. Weinte, weil ich überfordert war und weil ich nicht wusste, was ich denn jetzt eigentlich den ganzen Tag machen sollte.

Bevor ich Mutter wurde, habe ich niemandem geglaubt, der sagte, dass man mit einem Baby gut beschäftigt sei. Mein Ego war größer, weshalb ich überzeugt davon war, dass ich das mit links schaffen würde und dass ich entspannt mein bisheriges Leben weiter leben würde. Schließlich hatte ich noch meine Master Arbeit fertig zu schreiben.

Pustekuchen.

Letzten Endes gab ich meine Master Arbeit ab, ohne sie noch einmal komplett neu zu strukturieren, wie es meine Prüferin vorgeschlagen hatte.

Mein Leben war also nicht so wie ich es mir vorgestellt hatte. Es war alles andere als eine entspannte Zeit. Meine Tochter schlief von Anfang an nicht sehr häufig. Dafür kam es vor, dass sie wie aus dem Nichts anfing aus Hunger zu schreien und sich nicht mehr beruhigte, auch wenn ich sie an die Brust legte. Dann lief ich eine Ewigkeit mit ihr auf und ab, sie immer im Arm hoch und runter wiegend, bis sie sich soweit beruhigt hatte, dass sie zu trinken begann.

Das Geschrei machte mich fix und fertig. Ich war hilflos.

Bald schon spürte ich, dass ich mich nicht als die geborene Mutter sehen konnte. Mir fiel das Muttersein schwer und es erfüllte mich irgendwie nicht. Dabei hatte ich mir doch so sehr ein Kind gewünscht. Das Ganze passte nicht in mein Weltbild und ich begann zu zweifeln.

Hinzu kam, dass ich mich mit anderen Müttern aus meinem Umfeld verglich und mich dadurch noch schlechter fühlte. Die anderen Mütter schienen ihre Mutterrolle, das zu Hause bleiben und „nichts“ tun zu genießen.

Für mich war es fast nicht erträglich. Ich kam mir so nutzlos vor.

Mein komplettes, bisheriges Leben hatte ich mich immer über meine Leistung definiert. Ich war immer eine der Schnellsten und Besten gewesen und hatte daran Spaß gehabt. Auf einmal gab es das nicht mehr.

Ich war nur noch Mutter. Ohne Lob, ohne Bewertung, ohne Anerkennung von außen. Mein Selbstwert war im Keller.

Also fing ich an etwas zu tun, wofür ich zuvor nie Zeit gehabt hatte. Ich begann mich mit mir selbst auseinanderzusetzen. Es begann, indem ich zum ersten Mal die Podcast App auf meinem Handy wahrnahm und öffnete. Ein super sympathischer Podcast stach mir sofort ins Auge: „Happy, holy & confident“ von Laura Seiler.

Täglich hörte ich ihn beim Spazierengehen mit meiner Tochter. Eines Tages entdeckte ich die Folge „Bist Du hochsensibel“. Als ich der angenehmen Stimme lauschte, kam es mir vor, als ob sie zu mir persönlich sprach. Es kam mir vor, als würde sie mich beschreiben. Es war unglaublich. Es war als fiele mir eine schwere Last von den Schultern. Als würde auf einmal alles einen Sinn ergeben. Diese Erkenntnis war einer der größten Aha-Momente meines Lebens: Ich bin hochsensibel.

 

Was ist Hochsensibilität?

Wenn Du Dich nun fragst, was denn Hochsensibilität ist, dann möchte ich es Dir kurz beschreiben:

Hochsensible Menschen nehmen ihre Umwelt anders wahr, als nicht hochsensible. Dies beruht auf einer intensiveren und tieferen Verarbeitung der Reize. Sie hören z. B. Geräusche, die jemand anderes überhaupt nicht wahrnimmt oder sie sehen Dinge, die anderen nicht wahrnehmen. Außerdem erleben sie ihre Gefühlswelt intensiver: Sie nehmen Emotionen und Schwingungen intensiver wahr und spüren häufig Dinge, die andere nicht nachvollziehen können. So kommt es, dass Menschen mit einer Hochsensibilität schneller erschöpft und überreizt sind und sich als „irgendwie anders“  vorkommen, weil niemand sie wirklich versteht (eine ausführlichere Definition findest Du >>hier).

 

Meine Neugierde mehr über Hochsensibilität zu erfahren, war unendlich groß und ich setzte mich intensiv damit auseinander.

Durch das Wissen über meine Hochsensibilität fühlte ich mich auf einmal mit vielen Menschen verbunden, die so tickten wie ich. Dadurch wusste ich endlich, dass ich nicht bekloppt bin, sondern dass mein Nervensystem eben anders arbeitet, als bei anderen.

 

Das Wissen half mir meine Erfahrungen im Studium zu verstehen und zu verarbeiten.

 

Der Einstieg in die Persönlichkeitsentwicklung und eine herausfordernde Zeit im Ausland

Ich las viele Bücher und hörte weitere Podcasts. Die Zeit der persönlichen Weiterentwicklung begann. Ich war begeistert von dem Gedanken, dass ich Schöpfer meines Lebens war und dass ich mein Leben selbst in der Hand hatte. Inspiriert und voller Tatendrang machte ich beim Onlinekurs von Laura Seiler mit. Nicht wegen meiner Hochsensibilität, sondern weil ich mich persönlich weiterentwickeln wollte.

Dieses Streben nach Glück und Selbstverwirklichung hatte mich gepackt. Auf einmal war ich in dieser super inspirierenden Online Welt drin, mit erfolgreichen Leuten, die es geschafft hatten und die alle einen unglaublichen Mehrwert in der Welt erschufen.

 

Wie konnte es sein, dass ich erst JETZT darauf gestoßen war? Und vor allem, wie konnte es sein, dass NIEMAND in meinem Umfeld auch nur ansatzweise auf dem Weg war, wo ich unterwegs war?

 

Einerseits fühlte ich mich verbunden mit dem Gedanken dieser Menschen, die ihr eigenes Ding machten und die sich alle selbst verwirklichten. Andererseits setzte es mich als Mutter enorm unter Druck.

 

Wenn Dir jemand täglich (im Podcast) erzählt, dass Du nur erfolgreich sein kannst, wenn Du Deine Morgenroutine hast: Also früh aufstehst, meditierst und dann Dein Dankbarkeits-Journal ausfüllst, dann ist das als Mutter sehr frustrierend.

Ich gab mein Bestes um mitzuhalten, doch ich schaffte es nicht. Wie denn auch, wenn ich nachts stillte und mein Kind eben nicht schlief, während ich gerne noch eine Stunde meine Morgenroutine durchgeführt hätte…?

 

Als unsere Tochter knapp ein Jahr alt war, heirateten wir im Juni 2017 kirchlich, reisten für drei Wochen nach Canada und brachen dann im September 2017 auf, um für ein halbes Jahr nach Stettin, Polen zu gehen. Mein Mann nahm damals an einem Junior Management Programm teil und musste geschäftlich ins Ausland.

 

Ich freute mich sehr auf die Zeit im Ausland und auf diese völlig neue Kultur. In meiner Schulzeit hatte ich bereits ein Jahr in den USA verbracht und seitdem war das Fernweh mein ständiger Begleiter.

 

Doch so offen ich als Mensch auch war, ich kam in Polen einfach nicht an. Die Stadt war laut und fremd. Die Menschen ernst und verschlossen. Wenn ich versuchte mich auf englisch zu verständigen, sagten sie entweder nichts oder schauten mich böse an.

Ich begann an mir zu zweifeln. War meine Wahrnehmung so falsch? Bildete ich mir alles nur ein? Lag es an mir?

 

Die Tage waren lang, da ich mit meiner Tochter zuhause war, niemanden kannte und auch nicht gerne raus ging, weil es mich unglaublich stresste. Wir wohnten sehr zentral, umgeben von Einkaufshäusern und den Attraktionen von Stettin. Für Besucher war die Stadt schön, für mich war sie befremdlich und kalt.

 

So lasen wir tausende Male dieselben Bücher, malten und bauten Türmchen. Nebenher hörte ich mir den ein oder anderen Podcast über Persönliche Weiterentwicklung und Hochsensibilität an oder telefonierte mit meiner Familie und Freunden zuhause.

 

Ich bemerkte, wie es mich überhaupt nicht erfüllte jeden Tag den gleichen Tagesablauf mit meiner Tochter zu haben. Versteht mich nicht falsch, ich liebe meine Tochter über alles, aber ich war schlicht und einfach unterfordert, überreizt, erschöpft und einsam.

 

Ich wurde immer unglücklicher und fühlte mich ausgebrannt. Ich wollte nur weg aus dieser Stadt, aus diesem Land. Doch gleichzeitig wollte ich meinen Mann nicht alleine lassen.

Also beschloss ich zu bleiben und nahm mir stattdessen ein Coaching Gespräch mit einer Person, die sich auszeichnete Expertin für Hochsensible zu sein. Denn es war mir durchaus bewusst, dass ich vor allem aufgrund meiner hochsensiblen Veranlagung litt. Ich konnte zwar zuordnen, dass mich das Neue, die Geräusche, das Befremdliche beeinträchtigten, ich wusste aber nicht wie ich damit umgehen sollte. Denn an den äußeren Umständen konnte ich nicht viel ändern.

Da ich in Polen viel Zeit zum Nachdenken hatte, war mir klar geworden, dass es nicht ausreichte irgendwelche Selbst-Coaching Übungen zur persönlichen Weiterentwicklung zu machen, sondern dass es auf mich und meine Hochsensibilität abgestimmt sein müsste.

 

Bei einem Coaching Gespräch blieb es. Die Frau war zwar nett und erkannte meine Not, aber ich fühlte mich nicht mit ihr verbunden und mich nicht gut bei ihr aufgehoben. Und so machte ich weiter, wie bisher.

Der Einstieg in die Online Business Welt und mein Zusammenbruch

Kurze Zeit später geschah ein kleines Wunder, als meine Tochter und ich auf einem Spielplatz waren und auf einmal jemanden deutsch sprechen hörten. Eine Frau mit einer kleinen Tochter. Ich traute mich und sprach sie an. Es war einfach wunderbar. Sie erzählte mir, dass sie auch mit ihrem Mann hier seien und für ein paar Wochen bleiben würden. Von da an trafen wir uns regelmäßig und wir beide waren unheimlich froh, dass wir uns gefunden hatten. Auch wenn es nur vier oder sechs gemeinsame Wochen waren, ohne sie hätte ich es wahrscheinlich nicht so lange in Polen ausgehalten. Als sie ging war es zwar traurig, aber ich wusste, dass es nur noch eine kurze Zeit bis Weihnachten war und wir dann nach Hause konnten. In dieser Zeit wurde ich sogar nochmal motiviert, machte einen kleinen Onlinekurs zur Selbstständigkeit und bot daraufhin zum ersten Mal kostenlose Coachings über Skype an.

Nach Weihnachten entschied ich mich, nicht mehr zurück nach Polen zu gehen. Mein Mann blieb also die letzten zwei Monate alleine.

Erklärt mich für verrückt, aber als mein Mann mir erzählte, dass er angeboten bekommen hatte im Anschluss nach England zu gehen, fand ich die Idee super und sagte ja. So kam es dass wir kurze Zeit zuhause in Deutschland waren und dann im März 2018 für drei Monate nach England zogen.

Zum Glück war England einfach wunderbar. Die Menschen waren freundlich, ich verstand sie und die kleine Stadt, in der wir wohnten, war ruhig und überschaubar. Wir hatten sogar das Glück, dass unsere Tochter für ein paar Stunden in eine Kita konnte. In dieser Zeit konnte ich durchatmen, wieder etwas für mich machen und entwarf einen Abnehmkurs, der aufgrund eines Coachings mit einer Klientin ins Leben gerufen wurde.

Wie es dazu kam ist eine lange Geschichte und würde den Rahmen sprengen. Was ich dazu aber sagen kann, der eigentliche Grund weshalb ich einen Abnehmkurs, basierend auf Achtsamkeit und Selbstliebe erstellte, war mein eigener innerer Konflikt mit meinen Körper, den ich schon seit Kindheit an mit mir herum getragen habe. 

Die Zeit in England ging dieses Mal viel zu schnell vorüber und nach drei Monaten flogen wir nach Deutschland zurück. Unmittelbar im Anschluss, flog ich nach Berlin zu einer Freundin, weil ich am DNX Kongress teilnehmen wollte. Danach waren zwei Wochen USA geplant, weil meine amerikanische Freundin heiratete.

Doch auf dem Rückflug musste ich mich bei der Landung übergeben. Nicht weil ich krank war, sondern weil mein Körper mir zeigte, dass jetzt Schluss war. Er konnte nicht mehr. ICH konnte nicht mehr.

Auch der Körper meines Mannes hatte uns deutlich signalisiert, dass die letzte Zeit zu viel gewesen war, denn er hatte noch in England Ringelröteln bekommen. Zu Hause ging er zur Ärztin und sie teilte ihm mit, dass es für einen jungen Mann nicht normal sei und dass es ein Zeichen für psychischen Stress war.

Wir sagten den USA Urlaub ab. Auch wenn ich unglaublich traurig war bei der Hochzeit meiner Freundin nicht dabei sein zu können.

Aber es war einfach zu viel.

Aus heutiger Sicht empfinde ich diese Zeit als sehr aufwühlend und eigentlich völlig verrückt. Jedoch bereue ich diese  Erfahrung nicht, denn ich sehe sie als sehr lehrreich.

Es war vielleicht gut, dass ich mich nicht von meiner Hochsensibilität habe abschrecken lassen, denn sonst hätte ich diese aufrüttelnde Erfahrung nicht gemacht: Wenn ich nicht auf mich achte, dann geht es mit meinem Wohlbefinden bergab.

Denn für mich war die Zeit in Polen eine Herausforderung im höchsten Maße.

Die Erfahrungen, die ich machte, haben mich reifen lassen und mir deutlich gezeigt, dass es nichts bringt wegzuschauen, wenn es mir nicht gut geht. Dadurch wird es nicht besser. Es ist dann nötig etwas zu tun und sich Hilfe zu suchen.

Zeit für Ruhe!

Man könnte meinen, dass nach dieser aufregenden Zeit im Ausland Ruhe eingekehrt sei, aber die Misere ging weiter. Innerhalb der nächsten Wochen zogen wir im Juni 2018 nach Konstanz, damit mein Mann näher bei seiner Arbeit sein konnte. Er musste jedoch England noch einmal verlängern und so kam es erneut dazu, dass wir knappe zwei Monate getrennt voneinander lebten und er zwischen England und Konstanz pendelte.

Zu diesem Zeitpunkt war ich schon wieder schwanger.

In Konstanz hatten wir beide studiert und dachten, dass wir dort gut wohnen könnten. Um es kurz zu fassen. Im November 2018 zogen wir unglücklich und mit einem teuer bezahlten Lehrgeld zurück in die Heimat.

Ich wollte einfach nur noch zur Ruhe kommen und ein Zuhause finden, indem wir unser zweites Kind auf die Welt bringen konnten. Mein Mann und ich schworen uns, dass wir nicht mehr so schnell umziehen würden.

Rückblickend waren die vergangenen Jahre total wahnsinnig. Immer Abenteuer und kein festes Zuhause. Eine Unruhe im Innen und Außen.

Endlich hatten auch wir das kapiert.

Langsam begannen wir zu einem normalen Alltag zurück zu finden.

Unsere Tochter durfte in die Kita, in der auch meine Mutter arbeitete und somit wussten wir, dass sie sehr gut aufgehoben war.

Mein Mann pendelte wieder in die Schweiz zum Arbeiten, begann sich allerdings für eine Stelle in der Region zu bewerben.

Ich genoss die Ruhe und bereitete mich innerlich auf die Ankunft unseres zweiten Kindes vor.

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne - auch wenn er Dich aus dem Lot bringt

Für die Geburt hatte ich mir gewünscht in einem Hebammenhaus zu entbinden, weil ich die erste Geburt als sehr stressig empfunden hatte. So nahm ich Kontakt mit den Hebammen auf und war mir sicher, dass ich dort entbinden wollte. Ich sehnte mich nach einer gemütlichen Umgebung, in der ich mein Kind empfangen konnte.

Doch meine zweite Entbindung kam anders wie geplant. Meine Frauenärztin entdeckte etwas auf dem Ultraschall, woraufhin sie mir ans Herz legte im Klinikum zu entbinden. Da ich kein Risiko für mein Kind in Kauf nehmen wollte, bereitete ich mich mental auf eine Geburt im Klinikum vor.

Auch wenn ich auf die äußeren Gegebenheiten keinen Einfluss hatte und mein Sohn wieder eingeleitet wurde, empfand ich die zweite Geburt doch als viel selbstbestimmter als die erste.

Ich wusste was kam, war mit meinem Körper in Verbindung, atmete tief und war aktiv. Vor der Geburt mit meiner Tochter hatte ich noch keinen Zugang zu meinem Körper, zu meinem Atem oder zu Entspannungsmethoden. Bei der zweiten Geburt fühlte ich mich geerdet und konnte in meinen Körper hineinspüren.

Unser Sohn kam also Anfang März 2019, mit ein paar Startschwierigkeiten, aber gesund zur Welt und mit ihm begann ein neuer Lebensabschnitt.

Auch wenn ich alles schon einmal erlebt hatte, war ich doch erstaunt, wie sehr mich die Geburt und das Leben zu viert wieder aus dem Lot brachte.

Doch für mich war und ist das vollkommen in Ordnung. Unser Leben verläuft nicht gerade, sondern es gibt Hochs und Tiefs, die sich abwechseln. Es gibt immer wieder einen neuen Abschnitt, einen Neubeginn, in dem wir uns wieder zentrieren und neu fokussieren müssen.

Der Wert eines jenen Neubeginns

Die Bedürftigkeit unseres Neugeborenen hat mir mal wieder vor Augen geführt, woran es wirklich im Leben ankommt: Dass wir füreinander da sind. Es kommt auf die Liebe füreinander an, die man nur spürt, wenn man innehält und sich Zeit schenkt.

Das Leben schenkt uns immer wieder einen Neubeginn. Häufig ärgern wir uns über die Steine, die uns in den Weg gelegt werden. Stattdessen sollten wir dankbar sein, da wir dadurch wach gerüttelt werden und innehalten müssen. Wenn wir dann herausgefunden haben, was wir mit den Steinen tun, ob wir sie beseitigen, ob wie sie akzeptieren und einfach darüber steigen oder ob wir umdrehen, dann können wir uns über die neuen Erfahrungen freuen, da wir durch sie wachsen durften.

Zum einen kann ich kaum glauben, wie intensiv die letzten Jahre waren und zum anderen bin ich dankbar für alle die Erfahrungen, die ich gemacht habe und die Erkenntnisse die ich daraus gewonnen habe.

An all diejenigen, die schon einmal ein Kind verloren haben

Außerdem hoffe ich, dass ich Dir mit meiner Geschichte Mut machen konnte:

Mut, wenn Du genauso wie ich schon einmal ein Kind verloren hast.

Mir ist es ein persönliches Anliegen, dass Du weißt, dass Du um Dein Sternenkind trauern darfst, egal ob es geplant war, egal ob andere Personen überhaupt davon wussten, egal wie klein der Embryo war. Jede Frühgeburt ist ein Abschied der Mutter zu ihrem ungeborenen Kind. Du darfst also um Dein Sternenkind trauern und Du darfst Dich verabschieden. Das steht Dir zu und das musst Du Dich keinem erklären, weil es vielleicht auch niemand wirklich  nachvollziehen kann.

Vor der Geburt meines Sohnes stoß ich zum ersten Mal auf ein Angebot der Hebammen, von dem alle Frauen mit einer Fehlgeburt wissen sollten.

Ich las in einer Hebammen-Broschüre, als ich einen berührenden Bericht einer Mutter entdeckte: Eine Frau schrieb davon wie sie erfuhr, dass sie ihr Kind tot austragen musste. Sie schrieb, wie sie mit ihrem Mann und einer Hebamme die Geburt einleitete und wie sie gemeinsam in ihrer Trauer auf ihr Kind warteten, um es auf die Welt zu bringen. In einem behüteten Rahmen und mit der Zeit, die es benötigte um loszulassen und Abschied zu nehmen.

Mir liefen die Tränen über mein Gesicht, als ich das las. Ich teilte das Leid dieser Frau über den Verlust ihres Kindes. Gleichzeitig weinte ich aus eigener Trauer, weil ich auch gerne meine Kinder mit meinem Mann und einer vertrauten Hebamme ausgetragen hätte.

Ich wünschte, ich hätte damals über diese Möglichkeit Bescheid gewusst. Ich war traurig, dass mir dieses Angebot von Hebammen erst fünf Jahre später über den Weg lief.

Gleichzeitig bin ich dankbar, dass es die Möglichkeit überhaupt gibt, die Geburt seines Sternenkinds mit natürlichen Mitteln einzuleiten und auszutragen. Denn das macht das Ganze auf einmal viel natürlicher und damit leichter zu ertragen.

Durch das Schreiben meiner Geschichte kamen mir die Tränen und die Trauer um meine zwei kleinen Sternenkinder. Im Laufe der Zeit habe ich für mich getrauert und auch ab und zu mit meinem Mann darüber gesprochen. Mir ist aber bewusst geworden, dass wir uns nie richtig verabschiedet haben (das habe ich erst 2020 nachgeholt).

Was ich Dir noch mitgeben möchte

Das Muttersein hat mich unglaublich wachsen und reifen lassen.

In meinem bisherigen Leben bin ich mit dem Glauben herumgelaufen, dass es darauf ankommt, welche Zertifizierungen ich habe, was in meinem Lebenslauf steht, was ich kann und was ich leiste:

In der Kindheit ging es darum zu gefallen und meine Aufgaben schnell und richtig zu erledigen, später ging es um Noten, dann um den Notendurchschnitt im Abitur, dann um einen Studienplatz, dann um das sehr gute Bestehen sämtlicher Fächer, dann um die Bachelor Arbeit und zum Schluss um die Master Arbeit.

Als es als Mutter keine Benotung mehr gab, fing ich an mich selbst unter Druck zu setzen und mir Aufgaben zu geben, um mich immer weiterzuentwickeln und zu verbessern.

Das Streben nach einer persönlichen Weiterentwicklung und einem erfüllten Leben ist nicht verwerflich. Ganz im Gegenteil. Es ist wichtig zu begreifen, dass wir unser Leben selbst in der Hand haben und dass wir nicht Opfer von äußeren Umständen sind.

Was ich auf meinem Weg gelernt habe und was ich Dir mitgeben möchte, ist:

Höre auf Dich mit anderen zu vergleichen, weder nach unten noch nach oben. Es geht im Leben nicht darum besser, schneller, hübscher, dünner, erfolgreicher… als irgendjemand zu sein. Es wird immer jemanden geben, der Dich übertrumpft. Wenn Du Deinen eigenen Wert an anderen misst, dann wird Dein Selbstwert garantiert darunter leiden, weil Du Dich nie als gut genug empfinden kannst.

Stattdessen geht es im Leben darum herauszufinden, wer Du wirklich bist, was Dich ausmacht und was Du mit den Gaben, die Du in Dir trägst in dieser Welt bewirken kannst.

Außerdem wünsche ich Dir, dass Du Dein Leben nicht nur damit verbringst Träumen und Zielen hinterherzujagen. Du lebst genau JETZT.

Wir können nur in der Gegenwart glücklich sein. Die Zukunft wird immer die Zukunft bleiben und die Vergangenheit ist nicht mehr zu ändern. Wir können sie nur neu bewerten und neu abspeichern.

Was wir machen können, ist innezuhalten, wahrzunehmen was ist, herauszufinden wer wir wirklich sind und dann sein Leben nach seinen Werten und Gefühlen auszurichten. Im Einklang mit seinen Bedürfnissen, im Einklang mit sich selbst.

Heute, 3. Dez. 2020

Ende Oktober konnte ich meine Sternenkinder, die ich all die Jahre nicht gehen lassen wollte, loslassen. 

Das habe ich nicht alleine geschafft.

Ich hatte eine wunderbare Begleitung, die mich durch den Prozess der Trauer und Verarbeitung hindurchgeführt hat. Für mich war das transformierend. Es hat sich so viel in meinem Körper gelöst. So viel Trauer und Kummer ist abgefallen. Ich hatte das Gefühl ein Zentner leichter zu sein.

Ich teile diese Erfahrung mit Dir, weil ich mir für Dich wünsche, dass auch Du Dich in Würde und Liebe von Deinen Sternenkinder verabschieden kannst und sie auch wieder gehen lassen kannst. Denn Du und Dein/s Sternenkind/er können nur frei sein, wenn Du loslässt.

Und weißt Du was? Erst seitdem ich durch den Prozess gegangen bin und sie gehen lassen habe, weiß ich, dass das zweite Kind ein Junge war und ich konnte ihm einen Namen geben: Aron.

Heute habe ich vier Kinder und ich trage sie immer bei mir (die vier bunten Zettel aus der Übung, jeder Zettel symbolisiert ein Kind).

 

Ich danke Dir, dass Du meine Geschichte gelesen hast und ich hoffe, dass sich dadurch mehr Frauen (und Männer) trauen darüber zu sprechen. 

Es ist wichtig, dass wir unsere Erfahrungen verarbeiten und all unsere Gefühle zulassen. Wir brauchen sie.

Ich wünsche Dir von Herzen alles Gute!

Deine Lisa

 

Wenn Du jemanden kennst, der selbst ein Kind verloren hat und der sich nie den Raum gegeben hat die Trauer zu durchleben und der sich nie richtig verabschiedet hat, dann teile gerne diese Geschichte mit ihr oder ihm.

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6 Responses

  1. Liebe Lisa,

    Deine Geschichte hat mich sehr tief bewegt. Ich sehe Deinen Mut und eine starke Frau die. Ihren eigenen Weg geht. Ich habe selbst keine Kinder, dennoch ist mir dieses Thema bei meinen Freundinnen schon begegnet und ich war an Ihrer Seite wenn eines Ihrer Kinder dem Ruf der Sterne gefolgt ist. Ich teile Deine Meinung, dass dieses Thema in unserer Gesellschaft mit Scham besetzt ist und tabuisiert wird.
    Ich kann nur erahnen welche Spuren diese Erlebnisse in Deine Biographie zurückgelassen haben und gleichsam ist es schön zu sehen wie aus großem Leid, großes Glück entstehen kann. Deine Offenheit und Stärke die Du zeigt wird vielen Menschen die Zuversicht geben Ihr Leben in die Hand zu nehmen. Die Sternenkinder wie Du Sie auch so liebevoll nennst zeigen uns auf sehr schmerzliche Weise wie zerbrechlich das Leben
    ist und das es ein Wunder ist, dass wir alle in diesem ewigen Kreis miteinander Leben dürfen.

    Danke für dieses Geschenk und Danke das Du erlaubst das die dunklen Momente teil Deiner Lebendigkeit sind. Ich werde heut Abend zu den Sternen schauen und an Dich denken.

    Viele Grüße
    Alexander

    1. Lieber Alexander,
      vielen Dank! Das waren auch so schöne Worte Deinerseits!
      Ich glaube, dass es nicht nur die Sternenkinder der Mutter, sondern sicherlich auch der Väter ist und dass es auch wichtig für die Männer ist zu sehen, dass es ein Teil von ihnen ist… 🙂
      Von Herzen liebe Grüße
      Lisa

  2. Liebe Lisa,
    danke Dir für den sehr berührenden Einblick in Dein Leben. Und Deine Arbeit. Sich nicht allein zu fühlen – insbesondere als Hochsensible, mit unerfülltem Kinderwunsch, auf der Suche nach der Berufung und / oder was auch immer – ist eines der wertvollsten Geschenke, die man bekommen kann. Danke!

  3. Ein sehr bewegtes interessantes Leben… Habe auch einen Zwilling verloren.. War gar nicht entwickelt.. Nur Überreste wurden ein Jahr später in einem Dermoid gefunden..

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